Senf zur Woche – Paris und Beirut

Im ersten Beitrag meiner neuen Artikelserie, in der ich jeden Sonntag einige Ereignisse der vergangenen Woche kommentieren möchte, sehe ich nicht wirklich die Möglichkeit, andere Schlagzeilen als diese zu wählen:
Ausnahmezustand für ganz Frankreich verhängt
Paris unter Schock
Etwa hundert Tote bei Geiselnahme in Pariser Konzerthalle
#ParisAttacks, #NousSommesUnis, #PrayforParis,…
Den Samstag habe ich größtenteils mit Nachrichten lesen und schauen verbracht.
Ich bin wütend. 

Ich bin wütend auf diese Männer, die wahllos gemordet haben. Was bringt Menschen dazu, so etwas zu tun? Wie kann es sein, dass jemand denkt Ich werde heute ein Massaker anrichten und dabei auch selbst sterben und nicht das große Kotzen vor sich selbst bekommt?

Ich bin wütend, dass dieser Vorfall der perfekte Treibstoff für Pegida, AfD und all die anderen „Ich bin ja kein Rassist, aber…“-Idioten ist. Ich fürchte um all unsere Neuankömmlinge, die vor Mördern und Terroristen geflohen sind, um in einem vermeintlich sicheren Land mit eben diesen über einen Kamm geschert zu werden.

Ich bin wütend auf diesen verfluchten, selbsternannten „Islamischen Staat“. Terror, Gewalt und Massenmord – so etwas dann noch mit Religion zu begründen, ist pervers und widerlich.

Vor allem bin ich wütend über meine eigene Machtlosigkeit. Ich möchte helfen, bin dazu aber nicht in der Lage. Viel mehr als nachdenken, reden und schreiben kann ich nicht.


Eine anderen Blickwinkel auf die Pariser Anschläge beschreibt Andrea Böhm in „Wir sind alle Beirut„.
Ich muss zugeben, von dem Doppelanschlag in Beirut mit mehr als 40 Toten habe ich zunächst gar nichts mitbekommen. Erst ein etwas verbitterter Kommentar zwischen all den #ParisAttacks-Tweets machte mich stutzig. „Und was ist mit Beirut? Interessiert das niemanden?“

Es stimmt mich nachdenklich, dass der globale Fokus so extrem auf Paris liegt, dass andere schlimme Vorfälle kaum mehr zur Sprache kommen. In Deutschland kann ich mir das noch so erklären, dass Frankreich uns nahe steht, sowohl geographisch als auch in der deutsch-französischen Beziehung. Die besondere Nähe spielt bestimmt auch in den anderen europäischen Ländern eine Rolle.

Der Hauptgrund ist vermutlich der pure Schock. In unseren westlichen Ländern sind solche Anschläge nicht „normal“. Passiert doch einmal etwas, zieht es uns den Boden unter den Füßen weg.
An Terrormeldungen aus dem Nahen Osten sind wir dagegen gewöhnt. So ekelhaft das auch klingen mag.

Frau Böhms Artikel hat mir wieder einen kleinen Schubser gegeben. Ich möchte nicht abstumpfen gegenüber Krisengebieten. Ich will mich besser informieren, besser verstehen, was es bedeutet, in einem umkämpften Land zu leben.

Ob Beirut, Paris oder Syrien: Mein Beileid gilt den Menschen, die jemanden verloren haben.
Und meine Wut den Drahtziehern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.